Aktuelles

Mittwoch, 16.Mai 2012

Bundesrat Berset geht in die Offensive; andere Re-Aktionen aus Politik & Wirtschaft.

Donnerstag, 10.Mai 2012

Das Spitalfinanzierungsgesetz kommt in Zürich an die Urne; Privatspitäler wollen klagen.

Donnerstag, 03.Mai 2012

Der Versicherer hält Tausende Spitalrechnungen wegen der neuen Fallpauschale zurück.

Dienstag, 01.Mai 2012

«10vor10» zum Zulassungsverfahren, u.a. mit FASMED-Generalsekretär Melchior Buchs.

SMTI-Umfrage 2011

Stürmische Zeiten für die Medizintechnik  

Bern/Zürich, 15.12.11 – Wegen der negativen Wechselkursentwicklung erwarten führende Schweizer Medtech-Unternehmen für 2011 einen Rückgang ihres Umsatzwachstums auf ein Prozent. Das härtere wirtschaftliche und regulatorische Umfeld zwingt die Branche, ihr Geschäftsmodell, ihre Produkt- und Preismodelle, ihre Strukturen sowie Prozesse zu überdenken und ihre Marketing- sowie Compliance-Ressourcen zu stärken. Vor allem kleine Firmen und Zulieferer müssen sich für die Zukunft rüsten. Dies ergibt eine von Deloitte, Medtech Switzerland, Medical Cluster und FASMED durchgeführte Umfrage zum aktuellen Stand der Schweizer Medizintechnik-Industrie, „SMTI 2011“.

Lange Zeit kaum beeinflusst von Krisen hat sich die Medizintechnik in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Perle der Schweizer Volkswirtschaft gemausert: Mit über 49‘000 Vollzeitstellen hält das Land einen Anteil von 10 Prozent an allen Medtech-Beschäftigten in Europa und weist hier mit über 740 Herstellern, Zulieferern und Weltkonzernen mit die höchste Dichte an medizintechnischen Unternehmen auf. Weiter belegen rund 10‘000 unterschiedliche Produktfamilien, eine Bruttowertschöpfung von über 23 Milliarden und ein Exportvolumen von gegen 10 Milliarden Schweizer Franken die hohe Leistungs- und Innovationskraft dieser Industrie. Der medizinische Fortschritt, die demografische Entwicklung und der steigende Lebensstandard sorgen dafür, dass die Nachfrage nach Medizinprodukten stets weiter wächst. Die Medizintechnik entpuppt sich daher im Vergleich zu anderen Branchen als äusserst stabil. Seit über einem Jahr gehören deshalb hauptsächlich die globalen Medtech-Firmen an den Börsen zu den Gewinnern.

China rückt mit zum wichtigsten Exportmarkt auf

Selbst noch im schwierigen Jahr 2008 verzeichneten praktisch alle Medtech-Unternehmen ein Wachstum von 7 bis 14 Prozent. Bei der letzten umfassenden Umfrage (SMTI 2010) rechnete die Branche für 2011 noch mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 12 Prozent. Doch im 3. Quartal wurden die Erwartungen für dieses Jahr auf ein Prozent herunter geschraubt. So sehen 90 Prozent der kürzlich befragten CFO die Ursache für ihre schrumpfenden Margen im starken Schweizer Franken. Aufgrund der Kursentwicklung gegenüber dem Euro und dem US-Dollar droht eine Verlagerung von Teilen der Wertschöpfungskette in günstigere Standorte wie Osteuropa, China, Brasilien oder Indien.

China rückt mit einem geschätzten zweitstelligen Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren für die SMTI-Firmen neben Deutschland und den USA zu einem der wichtigsten Exportmärkte auf. Hingegen erschweren Schwellenländer wie z.B. Brasilien mit protektionistischen Massnahmen zusehends den Marktzugang.

Externe Faktoren und interne Schwächen

Regulatorische Auflagen und die allmähliche Angleichung klinischer Anforderungen an die Pharmaindustrie führen zu erschwerten Zulassungsbedingungen und mehr Bürokratie. Darüber hinaus sorgen die laufenden Kostensenkungsmassnahmen im Gesundheitswesen zunehmend für eine Konsolidierung der Wertschöpfungsketten: Fusionen, Übernahmen und Zusammenschlüsse sind die Folge. Auch der Trend, an Forschung und Entwicklung zu sparen, verstärkt sich. Statt wirkliche Innovationen zu entwickeln, bringen Medtech-Firmen bevorzugt Nachfolgegenerationen bestehender Produkte auf den Markt. Gleichzeitig wird die Nachfrageseite immer mächtiger: So schliessen sich Spitäler zusammen und beziehen Medtech-Produkte günstiger über Einkaufsgesellschaften. Und die Patienten wandeln sich allmählich zu gut informierten „Managern ihrer Krankheit“.

Doch nicht nur der steigende Wettbewerbs-, Kosten- und Preisdruck schlägt sich (als „Triple-Herausforderungen“) auf die Margen nieder. So gibt es neben den externen Faktoren eine Reihe neuer Themen, welche die Medtech-Unternehmen betriebsintern angehen müssen: Statt wie bisher Wachstum und Gewinnmaximierung sind zunehmend Restrukturierung, vertiefte Prozessoptimierung und verstärkte Kosteneffizienz angesagt, so etwa durch Automatisierung in der Produktion.

Kommerzielle statt operative Exzellenz

Legten viele Unternehmen den Fokus bis 2009 noch auf operative Exzellenz und Krisenbewältigung, mangelt es ihnen heute an einer klar definierten strategischen Ausrichtung. Oft fehlen die nötigen Kundennähe und das Marktwissen, sprich die kommerzielle Professionalität. Vor allem KMU, die nicht über die notwendige kritische Grösse verfügen, und Zulieferer bekommen jetzt die Folgen dieser strukturellen Schwächen zu spüren.

Um sich in einem immer komplexeren Umfeld zu positionieren, muss manches Medtech-Unternehmen sein Geschäftsmodell überdenken und an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen: So gilt es, die Produkte noch gezielter auf die Kunden- sowie Marktbedürfnisse auszurichten und entsprechend die Marketing-Ressourcen zu stärken.

Mit Health Technology Assessments, klinischen Studien und Registern muss zunehmend auch die Medizintechnik die Qualität ihrer Technologien und den Mehrwert für die Patienten nachweisen. Investitionen in Kosten-Nutzen-Analysen und ein verbessertes Datenmanagement unterstützen diesen Prozess. Nicht zuletzt verursacht die ab 2012 geltende neue Spitalpauschale, „Swiss DRG“, administrativen Mehraufwand. Angesichts der wachsenden regulatorischen und rechtlichen Auflagen wird das Beherrschen von Compliance zu einer Kernkompetenz. Die professionelle Ausübung von Quality-Management erfordert die Rekrutierung weiterer erfahrener Spezialisten.

Lösungspakete anbieten, Produkte bündeln und Netzwerke bilden

All diese Einflüsse und daraus abgeleiteten Massnahmen schmälern die Margen der Branche. Um dem entgegen zu wirken, gewinnt die Entwicklung neuer Produkt-Portfolios und Preismodelle an Bedeutung. Weiter empfehlen die beiden Autoren der Studie eine Umstellung vom technisch-orientierten Hersteller zum kundenfokussierten Lösungsanbieter, der vermehrt mit Zusatzleistungen wie Beratung und Schulung den direkten Kontakt zum (selbständigen) Patienten sucht.

Schweizer Qualität verbunden mit tieferen Produktionskosten wäre ein mögliches künftiges Geschäftsmodell: Durch die Bündelung von Produkten und das Eingehen von Partnerschaften innerhalb der gleichen Wertekette liessen sich die knappen Ressourcen besser nutzen und Grössennachteile kompensieren. Dank erhöhter Volumen könnten bessere Skaleneffekte erzeugt werden. Für einige Unternehmen wäre ausserdem eine Zweimarkenstrategie sinnvoll, um die Wachstumsmärkte in den Schwellenländern mit günstigeren Produkten zu bedienen. Als weitere Lösungswege schlägt die Studie den Aufbau von Experten- und Open Innovations-Netzwerken vor. Potenzial bieten die Zusammenarbeit mit Hochschulen für Start-ups oder die Nähe zur Life Science-Industrie. Im Rahmen von e-Health entstehen zudem neue interessante Schnittstellen zu anderen Branchen wie der ICT.

Wenn die Medtech-Branche am Standort Schweiz zügig ihre Hausaufgaben macht, dann hat sie nach wie vor gute Wachstumsaussichten und erhält sich ihre hohe Wettbewerbs- und Innovationskraft, lautet das Fazit der jüngsten SMTI-Erhebung.

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Über die Umfrage

Für den SMTI 2011 Report wurden 35 führende Unternehmen, das heisst, Hersteller, Zulieferer und Dienstleister, zu den Herausforderungen und zu ihrer Einschätzung der Wirtschaftslage befragt. Mit den Interviews wurden fünf Bereiche untersucht: Innovation und technologische Exzellenz, regulatorisches Know-how, Marktzugang, Konsolidierung und Veränderungen bzw. neue Marktplayer im Gesundheitswesen.

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SMTI 2011 Report (englisch):

http://www.medtech-switzerland.com/images/content/pdf/SMTI%202011.pdf

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Für Rückfragen:

  • Dr. Patrick Dümmler, Medtech Switzerland, Tel: 0041 31 335 62 39
  • Robert Reppas, Deloitte Consulting AG, Tel: 0041 58 279 90 77

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Über Deloitte

Deloitte ist eines der führenden Beratungsunternehmen in der Schweiz und bietet Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Unternehmensfinanzierung an. Die 1000 Mitarbeitenden sind an den Standorten Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano und Zürich vertreten. In dieser Medienmitteilung bezieht sich die Bezeichnung Deloitte auf Deloitte AG, eine Tochtergesellschaft von Deloitte LLP, dem Mitgliedsunternehmen in Grossbritannien von DTTL, einer „UK private company limited by guarantee“ (einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach britischem Recht) und ihren Mitgliedsunternehmen, die rechtlich selbstständig und unabhängig sind. Eine detaillierte Beschreibung der rechtlichen Struktur von DTTL und ihrer Mitgliedsunternehmen sind auf der Webseite unter www.deloitte.com/ch/about zu finden.

Über Medtech Switzerland

Medtech Switzerland ist eine offene non-profit-Plattform für Medizintechnik-Unternehmen mit dem Ziel, diesen den Zugang zu Schlüsselmärkten im Ausland zu erleichtern. Mittels Delegationsreisen, Fachmessen, Workshops sowie Seminaren im In-und Ausland, Reports zu ausgewählten ausländischen Märkten und Netzwerkanlässen stellt Medtech Switzerland sicher, dass interessierte Firmen eine bessere Entscheidungsgrundlage bei der Festlegung ihrer Auslandsstrategie haben. Darüber hinaus stellt die Exportplattform bei Bedarf relevante Kontakte zu Experten her und arbeitet dabei eng mit Dritten zusammen. Medtech Switzerland ist eine Initiative des Bundes, der Osec und des Medical Clusters. Sie ermöglicht Schweizer Unternehmen einen Auftritt im Ausland unter der Dachmarke Medtech Switzerland (www.medtech-switzerland.com).

Über Medical Cluster

Die Vision, den Standort Schweiz als weltbesten Ort für die Entwicklung, die Produktion und für den Vertrieb von Medtech-Produkten zu etablieren und bekannt zu machen, bildet die Basis für die Aktivitäten des Medical Clusters (www.medical-cluster.ch). Dazu bietet er ausgewählte Plattformen und Dienstleistungen an, die in enger Zusammenarbeit mit der Industrie entwickelt und ausgebaut werden. Die über 300 Mitglieder stammen aus der ganzen Wertschöpfungskette Medizintechnikindustrie, d.h. sind Institute von Hochschulen, spezialisierte Zulieferern und – als Kern des Clusters – die Hersteller von fertigen Produkten. An den Fachkongressen, Mitgliederforen und Networking-Anlässen nehmen jährlich über 800 Experten aus Industrie und Forschung teil, um Wissen und Erfahrung auszutauschen und Kontakte zu pflegen.

Über FASMED

Ziel des Dachverbands der Schweizerischen Medizintechnik ist die Förderung einer qualitativ hochstehenden, wirtschaftlichen und sozialverträglichen medizinischen Versorgung. Zusammen mit seinen fünf Sektionen vertritt FASMED (www.fasmed.ch) aktiv die Interessen und Belange seiner zurzeit rund 250 Mitglieder: Damit sich die Medtech-Firmen optimal entfalten und ihren Beitrag zum medizinischen Fortschritt leisten können, setzt sich der Verband für den Erhalt und die Förderung marktwirtschaftlicher Strukturen im Schweizer Gesundheitswesen ein. Unter anderem informiert und berät er in fachspezifischen, wirtschaftspolitischen sowie juristischen Fragen. Dazu pflegt FASMED gezielte Kontakte zu den politischen Behörden, zur Verwaltung und zu den Partnern wie Ärzten, Spitälern und Krankenkassen im Inland.

(Medienmitteilung als pdf-File)